Vom VC-20 zu Linux: Wie für mich alles begann

Persönlicher Auftakt zur Serie 'Braunschweig und die Computer': vom VC-20 über Apple, die Hannover-Szene und die Druckvorstufe bis zur lokalen KI im eigenen Keller.

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Früher Heimcomputer mit Röhrenbildschirm und Schachprogramm in warmem Abendlicht
Vom VC-20 über Apple und Linux bis zur lokalen KI: Der Computer war für mich nie nur Gerät, sondern Werkzeug zur Selbstbestimmung.

Auf ngo-online.de erzähle ich in Braunschweig und die Computer die große Geschichte einer Region, die mehr Computergeschichte gesehen hat, als die meisten ahnen — von Commodore über C64 und Amiga bis zur Frage, wem ein Computer eigentlich gehört. Diese Geschichte ist auch meine.

Hier erzähle ich, warum.

Ein Volkscomputer als Anfang

Mein erster Rechner war kein C64. Den konnte ich mir nicht leisten. Bei mir stand ein VC-20 — der „Volkscomputer“, wie Commodore das Gerät im deutschsprachigen Raum nannte. Wie er ins Haus kam, hat mit den Verbindungen meiner Mutter zur Quelle zu tun; über das Versandhaus lief damals einiges, was sonst schwer zu bekommen war.

Der VC-20 war klein, begrenzt und aus heutiger Sicht fast lächerlich schwach. Aber für mich war er ein Fenster in eine andere Welt. Da stand plötzlich eine Maschine im Zimmer, die nicht einfach nur funktionierte, sondern auf Eingaben reagierte. Man konnte sie fragen, füttern, reizen, überlisten. Sie war kein fertiges Produkt, sondern ein Versprechen.

Wenn Spielen nicht reicht

Natürlich wurde gespielt. Stundenlang, vor allem Schach gegen die Maschine — das Programm war Sargon II, auf Steckmodul, mit sieben Spielstufen. Die Partien waren ein Vergnügen.

Aber Spielen war für mich nie das Eigentliche. Mich hat von Anfang an eine andere Frage gepackt:

Was kann man mit so einem Computer tatsächlich machen?

Diese Frage hat mich nie mehr losgelassen. Sie ist der rote Faden bis zu meiner heutigen Werkstatt.

Mich interessierte nicht nur, welches Spiel lief. Mich interessierte, warum es lief. Warum reagierte die Maschine? Warum konnte man sie programmieren? Warum wurde aus ein paar Zeichen auf dem Bildschirm plötzlich Verhalten? Genau da begann für mich die eigentliche Faszination.

Der erste Apple

Irgendwann kam der Sprung in die Apple-Welt. Meinen ersten Apple II kaufte ich in Bielefeld, bei einer renommierten Firma. Hardware war noch nie meine Stärke — den eigentlichen Aufbau übernahm ein alter Bekannter, der sich damit auskannte.

Für mich zählte etwas anderes: Mit dem Apple II öffnete sich eine Tür zu einer Maschine, die anders dachte als die Commodore-Welt. Es war der Anfang einer langen Liebe, die mich bis heute begleitet.

Apple war für mich nie nur Marke. Es war eine andere Vorstellung davon, wie Menschen mit Computern arbeiten können: weniger Bastelkeller, mehr Werkzeug. Weniger Selbstzweck, mehr Gestaltung. Genau diese Verbindung aus Technik und Anwendung hat mich angezogen.

Hannover: eine Dichte an Könnern

Über die CeBIT-Jahre und die Kontakte rund um Oliver Joppich lernte ich Menschen kennen, die tief in der Materie steckten. In Hannover gab es eine Dichte an Könnern, die mich staunen ließ — Leute, die nicht nur Geräte besaßen, sondern verstanden, wie sie bis hinunter ins letzte Bit funktionierten.

Einer aus dieser Runde, Jens-Uwe Mager, dachte schon damals in einer Kategorie, die mir erst viel später aufging: Portabilität. Es ging ihm nie um die eine Maschine, sondern darum, dass Software überall laufen sollte.

Das war ein anderes Denken. Nicht: Welcher Computer ist der beste? Sondern: Wie baut man etwas so, dass es nicht an eine einzelne Plattform gekettet bleibt?

Go, Pascal und die Idee der Portabilität

Wer in jenen Jahren mit Systemen wie UCSD Pascal arbeitete — die ihren Code in eine plattformunabhängige Zwischensprache übersetzten, lange bevor das selbstverständlich wurde —, hatte dieses Denken im Blut. Aus genau dieser Haltung sind später Werkzeuge gewachsen, die die Apple-Welt und UNIX zusammenbrachten. Ich verstand das damals nur am Rande.

Was diese Leute verband, war nicht nur die Technik, sondern eine bestimmte Art zu denken — und die zeigte sich auch fernab der Tastatur, am Go-Brett. In Hannover gab es einen lebendigen Go-Verein, dessen Messeturnier bis heute läuft. Go, das alte ostasiatische Strategiespiel, galt damals als die Festung, die kein Computer je würde nehmen können: zu tief, zu intuitiv.

Dass ausgerechnet diese Maschinenmenschen es liebten, hat mich nie gewundert. Es war dieselbe Lust, einer Sache ganz auf den Grund zu gehen.

Braunschweig: wo aus Daten Druck wurde

Zurück in Braunschweig landete ich in einem Betrieb für Fotokopie und Druckdienstleistung — und damit mitten in einer Welt, die mich faszinierte: der Druckvorstufe.

Hier ging es um Farbseparation, um OPI — Open Prepress Interface — und um die Frage, wie aus digitalen Daten exakte, hochwertige Druckergebnisse werden. Die Kollegen dort arbeiteten mit Werkzeugen, die zur Spitze gehörten, und holten aus der Technik Druckqualität heraus, die mich beeindruckte.

Erst viel später wurde mir die Verbindung klar: Genau diese Druckvorstufen-Welt — Mac-Daten, die auf leistungsfähigen Servern für den professionellen Druck aufbereitet werden — war das Feld, auf dem die Hannoveraner ihre Software bauten. Ich hatte, ohne es zu wissen, praktisch in genau der Welt gearbeitet, deren Werkzeuge ein paar Kilometer weiter entstanden.

QuarkXPress, miro und der Sprung ins Profilager

Parallel dazu lief ein Anlauf zum Informatikstudium, der nicht aufging — aber das war nicht schlimm, denn meine eigentliche Schule war eine andere.

Ich blieb bei Apple, verliebte mich in Datenbanken und in das, was man am Bildschirm gestalten konnte: QuarkXPress, dazu FreeHand und Illustrator. In Quark wurde ich so gut, dass ich digitalen Satz an Agenturen verkaufte, die sich noch keinen Apple leisten konnten oder mit dem Programm nicht zurechtkamen. Das Programm selbst kostete mich damals 2.000 D-Mark — eine Hausnummer, an die ich mich bis heute erinnere.

Über Kontakte aus dieser Szene wurde ich EDV-Leiter bei der Werbeteam GmbH und durfte dort Apple und die ganze DTP-Welt einführen. Und einmal stand ich für miro auf der CeBIT auf dem Messestand, führte QuarkXPress vor und präsentierte deren Monitore.

miro — das war die Braunschweiger miro Computer Products, neben Volkswagen das Vorzeige-Hightech-Unternehmen der Stadt, Weltmarktführer bei Grafik und Großbildschirmen. Dass ausgerechnet hier, in meiner Region, einer der ganz Großen saß, hat mich mit Stolz erfüllt.

Ich war dabei nie der Hardcore-Programmierer. Ich war der praktische Anwender — einer, der aus Datenbanken wie 4th Dimension und Publishing-Werkzeugen wie RagTime herausholte, was ging, und damit echte Projekte für Agenturen und Verlage stemmte. In dieser Welt fühlte ich mich wohl und zu Hause. Es war eine glückliche Entwicklung.

Von Linux bis zur eigenen KI-Werkstatt

Irgendwann führte mich der Weg zu Linux — über jemanden, der mir geduldig den Bootvorgang eines PCs und die erste eigene Installation beibrachte. Aus dem Spielen war Verstehen geworden, aus dem Verstehen Selbermachen. Über Linux ging es dann immer weiter, Jahr für Jahr.

Was mit der Frage „Was geht damit?“ auf einem 5-KB-Heimcomputer begann, ist heute eine selbst gebaute Workstation, auf der lokale KI läuft.

Jahrzehnte nach jenen Go-Abenden schlug eine KI den Weltklasse-Spieler Lee Sedol — und das Spiel, das als unbezwingbar galt, war gefallen. Heute läuft so eine KI bei mir lokal im Keller. Der Kreis schließt sich.

Was geblieben ist

Die Maschinen haben sich geändert. Die Haltung nicht.

Lieber selbst verstehen und kontrollieren als blind konsumieren. Lieber Werkstatt als Blackbox. Lieber lokale Souveränität als bequeme Abhängigkeit.

Darum geht es mir bis heute — bei Websites, bei SEO, bei Web Security, bei Linux, bei lokaler KI und bei der Frage, wem digitale Werkzeuge eigentlich gehören.

Den großen Bogen — von Commodore über die Retro-Szene bis zur Frage, wem ein Computer eigentlich gehört — erzähle ich im Auftakt der Serie auf ngo-online.de: Braunschweig und die Computer. Dort wird aus meiner persönlichen Geschichte die größere: digitale Selbstbestimmung, von C64 und Amiga bis zu Cloud, App-Stores und KI.

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